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Neustart

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  Nach einem Jahr Corona können wir unser Live-Hörspiel endlich zeigen. Hinter uns liegen interessante Zeiten. Da es nicht möglich war, zu mehreren Personen in unserem Studio Aufnahmen zu machen, haben wir unsere Sprecher teilweise gebeten, mit ihren Mobiltelefonen eigene Aufnahmen zu machen und uns zu schicken. Das Ergebnis war oft überraschend gut und manchmal technisch herausfordernd.  Andere Sprecher haben wir unter den Professoren der Hochschule rekrutiert, die alleine im Hörsaal referierten. Ich denke, das hört man den Aufnahmen an und es ist genau das, was wir wollten.  An dieser Stelle möchte ich allen danken, die Sonic Landcapes ihre Stimme gaben: Holger Rabe, Jens Bittermann, Linda Paulsberg, Bernd Bufe, Micael Thys, Hans Nielsen, Carolin Wilms und die unvergleichliche Erika Søfting, die spontan norwegische Volkslieder für uns gesungen hat. Hubert Zitt hat uns für die Audio-Installation im Museum einige Schätze zur Verfügung gestellt, die er beim Abbau des stillgelegten Mitte

Wie es weitergeht

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Wir sind wieder zurück und haben gerade sehr viel Zeit, unser Projekt auszuarbeiten. Inzwischen hat SR 1 ein schönes Interview mit uns geführt, nachzuhören unter https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=15044&pnr=&tbl=pf Ein Vortrag über die wissenschaftlichen Hintergründe unserer Expedition wird voraussichtlich im Herbst stattfinden. Weitere Infos dazu findet man zu gegebener Zeit unter http://www.sternwarte-zw.de/vortrag.html Die Aufführung unseres Live-Hörspiels wird Anfang Januar 2021 sein. Informationen über das genaue Datum und den Ort folgen. Wir stehen in engem Kontakt zu unseren Freunden und Bekannten in Norwegen und wir sind froh zu hören, dass es allen gut geht.   

Letzte Gespräche

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Es wird Zeit, Abschied zu nehmen, denn heute ist unser letzter Tag hier in Kjerringøy, morgen geht es zum Flughafen und dann zurück nach Hause. Zuerst müssen wir aber noch Kåre interviewen, einen 84-jährigen Fischer, der sein ganzes Leben in Kjerringøy verbracht hat. Am Strand von Låter erinnern sich Kåre und Svein an ihre Jugend und wir bekommen als Zugabe eine Geistergeschichte über eine mysteriöse weiße Frau erzählt.  Es wird eine Menge sein, das wir hier vermissen - die unberührte Natur, die Stille, unsere Freunde und die netten Menschen. Elchwurst und Hering zum Frühstück. Regen, Schnee, Wind und tiefer Frost - manchmal alles an einem Tag.  Das Nordlicht hat sich an einem Abend in all seiner Fülle gezeigt und hat doch sein Geheimnis für sich behalten. Warum konnten wir es manchmal hören und ein anderes Mal nicht? Wir werden diese Sache weiter erforschen - in einem Kunstprojekt, für das unsere Untersuchungen hier in Norwegen die Basis bilden. Es wird im kommenden Winter zu se

Das Nebelhorn von Kjerringøy

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Eis nimmt hier die unglaublichsten Formen an. Nie habe ich Eis gesehen, das dünner ist, hauchzart, wie eine gefrorene Seifenblase. Auf dem Foto sieht man ein Eisstück mit eingefrorenen Luftblasen. Es ist so kalt, dass die Blasen beim Aufsteigen einfrieren, bevor sie an die Wasseroberfläche gelangen können. Rainer und ich fahren in Richtung Øyjord - Inselerde - auch die Straße besteht aus blankem Eis. Der Fjord ist zur Hälfte eingefroren. Im stürmischen Wind versucht Rainer, Aufnahmen zu machen. Die Eisstücke auf dem Fjord bewegen sich wie eine sämige, weiße Flüssigkeit, bevor sie an Land zu bizarren Platten gefrieren. Die Landschaft ist kalt, blau und leer. Ich gehe am gefrorenen Ufer spazieren und komme mir vor wie auf einem fremden Planeten. Wir mikrofonieren das Eis, doch es schweigt und gibt seine Geheimnisse nicht preis. Ganz anders als Ulf. Wir treffen den Bootsbauer in der alten Schule von Kjerringøy, die jetzt ein Museum ist. Von ihm wollen wir Geschichten über die

In der Kieselsteinbucht

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Es soll hier einen Strand geben, da klemmt ein großer Stein in einer Felsspalte. Bei Flut werde er vom Wasser angehoben und fange an zu sprechen. Irgendwo in der Nähe von Låter soll das sein. Rainer und ich fahren sofort nach dem Frühstück dorthin - das heißt, es gibt eine kleine Verzögerung, weil das Auto wieder nicht anspringt. Vielleicht ist es zu kalt, nach der sternklaren Nacht hat es heute ordentliche Minusgrade. Doch dann springt die Klapperkiste schließlich doch an und wir rollen los. Wir haben einen ungefähren Tipp bekommen, wo der Strand sein soll. Von der Landstraße aus stapfen wir durch verharschten Schnee eine Fuchsfährte entlang. Seltsam, dass uns immer die Tiere den Weg weisen. Tatsächlich erreichen wir die Rullesteinvika, die Kieselsteinbucht, nach etwa einer halben Stunde.  Die Wellen rasen in die kleine Felsspalte und bewegen den Stein. Der gibt ein grollendes, tiefes Geräusch von sich. Eine ganze Weile bleiben wir hier und hören dem Felsen zu und machen To

Ein magnetischer Sturm

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Den ganzen Tag rufen wir das Weltraumwetter mit dem Handy ab. Heute sieht es gut aus: Ein KP-Index von 5 ist vorhergesagt. Das bedeutet, wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach ein Nordlicht sehen können. Schon früh am Abend verlassen wir das Haus. Rainer fährt in Richtung Tårnvik, um dort störungsfrei eine Nordlicht-Tonaufnahme machen zu können. Gunn-Marit und ich gehen an den Strand. Und tatsächlich: Über den Himmel spannt sich ein grüner Bogen, der auch mit bloßem Auge gut zu erkennen ist. Sterne funkeln durch die Lichtfäden, die sich immer wieder neu bilden. In der kalten, klaren Luft schimmern die hellen Streifen. Sie überkreuzen sich, tasten nach unten und verblassen dann wieder. Wir holen das Auto und gemeinsam fahren wir über die dunkle Landstraße. Gunn-Marit schaltet die Scheinwerfer aus, so rollen wir, geleitet vom Nordlicht, die schmale Küstenstraße entlang. Nichts ist zu hören, außer das unter den Reifen zerberstende Eis, während der Himmel in Flammen steht. 

Getrennte Wege

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Bereits nachmittags um drei Uhr werden die Schatten lang, kurz danach geht die Sonne unter. Rainer hat morgens früh das Haus verlassen, um mit Svein und Ketil fischen zu gehen. Ich bleibe allein zurück. Durch das Eis sind alle Wege beinahe unbegehbar. Ich rutsche breitbeinig wie eine Comic-Figur zur Landstraße - die ist gestreut und sie soll meine Wanderstrecke für heute sein. So laufe ich die einsame Straße entlang, aber dann sehe ich Rentierspuren, die zwischen ein paar Birken verschwinden. Ich gehe ihnen nach und gelange an einen herrlichen Strand. Die Sonne scheint, leise plätschern die Wellen ans Ufer, das gesäumt ist von Muscheln. Im klaren Wasser treibt Tang wie Frauenhaar. Es ist Ebbe und ich spaziere über den Meeresboden zu einer kleinen Felseninsel und wieder zurück zum hellgelben Strand. Er hat eine seltsame Farbe und Beschaffenheit, dieser Strand. Ich bücke mich und entdecke, dass ich nicht auf Sand stehe, sondern auf Millionen von Korallenstücken. Der ganze Strand beste