Ein Kaffeklub am Ende der Welt


 "Am Nordpol verdichteten sich einst aus einem ätherischen Körper die physischen Menschenkörper."
Selim Levent Oezkan, "War das legendäre Hyperborea die Urheimat der Menschen?"

In der fernen Urzeit, so glauben manche, stand die Erde aufrecht. Ihre Achse war also nicht geneigt, wie heute, sondern gerade. Diese Position hätte eine fast tropische Vegetation im Norden ermöglicht und somit auch menschliches Leben. Der eine, ferne Punkt - der Nordpol - er scheint beinahe logisch als Ort des Ursprungs, als unverdorbener und reiner Quell des Lebens.

Schon in den indischen Veden findet man, wenn man lange genug suchen möchte, scheinbar Belege für eine Urheimat der Arier.  Dort ist die Rede von einer „Insel des Glanzes“, der „Sveta-Dvipa“. Sie liege im höchsten Norden, wo das Nordvolk, genannt Uttarakara, auf einer Insel im Milchmeer lebe. Ein vedisches Atlantis.

Doch die Sintflut, so wird berichtet, habe dem Ganzen ein Ende gemacht, indem sie die Erdachse neigte. Die ersten Menschen mussten fliehen und:

"Nach der Flut und dem Verlust der Urheimat wurde Atlantis in der Nordsee bei Helgoland aufgebaut, doch zerstörte ein durch die Echsengötter hervorgerufener Komet im Jahr 1222 auch Atlantis"
Holger Kalweit, "Hyperborea" 

Um 325 v. Chr. bereist der griechiche Entdecker Pyteas Nordwesteuropa. Zu einer Zeit also, in der Atlantis noch existiert haben mag. Pyteas wendet sich aber weiter nach Norden und verschiebt die Grenze der bekannten Welt nordwärts hin zu den Lofoten. In den folgende Jahrhunderten sucht man dieses mystische Land, das in späteren Jahren den Namen Thule tragen wird, immer weiter im Norden.

Als Ultima Thule wird schließlich von Geologen der nördlichste Landpunkt der Erde benannt. Dabei handelt es sich um eine Insel vor der Nordküste Grönlands, genannt Kaffeeklubben Ø. Den etwas prosaischen Namen erhält die Insel im Jahr 1921, als ihr dänische Entdecker Lauge Koch in der Kälte des Nordens ein starkes Heißgetränk vermisst und unentwegt an den gemütlichen Kaffeeklub im Mineralogischen Museum in Kopenhagen denken muss.

Keine Echsenvölker, kein Atlantis, kein urzeitliches Eden - und Thule eine öde Insel voller Steine. Der Pol ist heute beinahe vollständig entzaubert. 

Und das ist eigentlich schade. 


 

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